Projektbeschreibung

Ausgangslage / Problemstellung

Drei Viertel aller Gebäude Österreichs sind Ein- und Zweifamilienhäuser (EFH und ZFH), in denen derzeit 58% aller Menschen leben. Der Flächenverbrauch ist enorm, der Sanierungs- und Revitalisierungsbedarf des Bestandes ist hoch. Bedingt durch Landflucht, den Wandel der Familie und der Lebensstile werden immer mehr EFH von Einzelpersonen bewohnt. Dies bringt oft soziale Vereinsamung und meist auch finanzielle Probleme mit sich, die zusätzlich durch Sanierungsbedarf verschärft werden. Davon sind besonders Frauen betroffen. Am Land fehlt es außerdem an genügend adäquatem und leistbarem Wohnraum, um neue Formen des Zusammenlebens, Startwohnungen oder betreutes Wohnen zu ermöglichen.

Deswegen wird im Rahmen des Forschungsprojekts ReHABITAT untersucht, wie Einfamilienhäuser zu Mehrpersonenhäusern weiterentwickelt werden können.

Unter einem Mehrpersonenhaus verstehen wir ein Haus, in dem mehrere Personen in einer Hausgemeinschaft leben, die nicht unbedingt einer Familie im engeren Sinne angehören (im Unterschied zum Mehrfamilienhaus). Wichtig bei diesem Ansatz von „innerer Nachverdichtung“ im besten Wortsinn ist außerdem, dass die Kubatur des Bestandsgebäudes nicht maßgeblich vergrößert wird und auch keine zusätzlichen Grünflächen dafür verbaut werden.

Für die Untersuchung wurden folgende 4 Gebäudetypologien der 50er bis 90er Jahre ausgewählt: Siedlungshaus, Bungalow, Landhaus und Zweifamilienhaus.

Was bisher geschah

Am 29.11.2013 hielten wir mit AlltagsexpertInnen[1] eine Gruppendiskussion in Kleingruppen ab. Dafür suchten wir Personen verschiedenen Alters und Geschlechts, die sich an der Idee eines gemeinschaftlichen Wohnens im vormaligen Einfamilienhaus stark interessiert zeigten.
Diesem Termin gingen Vorarbeiten wie Literaturrecherchen und eine FachexpertInnen-Runde mit ExpertInnen aus unterschiedlichsten relevanten Bereichen voraus.
Ergänzend interviewten wir weitere Personen (Alltags- wie auch FachexpertInnen), um bestimmte Fragen vertiefend behandeln zu können.

Die Interviews wurden transkribiert und qualitativ ausgewertet, wobei Aussagen zu thematischen Kategorien zusammengefasst und danach interpretiert wurden. Die Auswertung der Interviews zeigt klar auf, welche Themen besondere Aufmerksamkeit benötigen.

[1] AlltagsexpertInnen nennen wir die EinfamilienhausbesitzerInnen bzw. -bewohnerInnen sowie die an der Thematik des Wohnens im Mehrpersonenhaus interessierten Menschen

Am häufigsten genannte Bereiche der FachexpertInnen und in der Gruppendiskussion

Sowohl die Fach- als auch die AlltagsexpertInnen in der Gruppendiskussion sprachen von sich aus soziale Aspekte des Zusammenwohnens am häufigsten an. Kosten und rechtliche Fragen standen bei den FachexpertInnen an zweiter Stelle, bei den HausbesitzerInnen jedoch erst an dritter nach der Wahrung/Ausgestaltung des privaten Bereichs. Themen, die in den Diskussionen hingegen nur wenig angesprochen wurden, waren Betreuung und Pflege, der Garten und Fragen der Energieeffizienz.

Parallel zu den Interviews und Gesprächsrunden wurden die vier Gebäude ausgewählt, die auf ihre Einsatzmöglichkeiten im Sinne der ReHABITAT-Idee untersucht werden.

Aktuell läuft die Entwurfsarbeit für die ausgewählten Gebäudetypologien auf Basis der Auswertungsergebnisse.

Wichtiger Hinweis: Das Projekt ReHABITAT und auch der Blog sind „work in progress“!
Die momentanen Bloginhalte sind noch keine Endergebnisse unserer Forschungsarbeit. Vorläufig präsentieren wir auf diese Weise nur die wichtigsten Auswertungsergebnisse unserer Gesprächsrunden.
Der Blog wird bis zum Projektabschluß im Juli 2015 sukzessive mit Handlungsempfehlungen, Planvarianten und vielen weiteren wissenswerten Details befüllt werden.

Weitere Informationen auch auf http://web.ecology.at/ecology/rehabitat.htm

2 Gedanken zu „Projektbeschreibung

  1. Das Thema „Bauen und Wohnen“ beinhaltet bei den meisten von uns die größten finanziellen (und möglicherweise auch emotionalen) Investitionen eines menschlichen Lebens.

    Bei unseren Entscheidungen in diesem Bereich überlagern sich emotionale, praktische, beziehungsgebundene, rationale, normative, ökologischen, wirtschaftliche…Aspekte
    Ich meine, dass es mit der Komplexität des Themas zusammenhängt, dass die Diskussion bisher nicht stattfand, Komplexität verbunden mit der Ohnmacht, dass wir schwer eingreifen können.

    Blogs sind ein toller Weg, „poor voices be heard“ zu machen, aber die „poor voices“ erwarten sich möglicherweise bei diesem Thema keinen allzu grossen Nutzen- vielleicht sind ihre Handlungsmöglichkeiten zu weit weg von Entscheidungen in diese Richtung.

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    • Herzlichen Dank für Ihr Feedback, Herr Trischler!
      Wir werden uns bemühen, bzw. ist es ja sowieso unsere Zielsetzung von Anfang an, den Nutzen für die „poor voices“ – in dem Fall also Menschen, die in der Situation sind (Haus zu groß, macht zuviel Arbeit, verursacht zu viele Kosten, schleichende Vereinsamung….) klar herauszustreichen. Alleine ist man ohnmächtig – gemeinsam ist man definitiv stärker!!

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